Rezension: Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt

51d0ClBxQZL._SX319_BO1,204,203,200_.jpgVerlag: Kunstmann
Autor: Jesmyn Ward
Titel: Singt, ihr Lebenden und ihr Toten
Seiten: 305

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Inhalt:

Ein großer Roman aus dem amerikanischen Süden, ein zärtliches Familienporträt in einer von Armut und Rassismus geprägten Gesellschaft.

Jojo und seine kleine Schwester Kayla leben bei ihren Großeltern Mam and Pop an der Golfküste von Mississippi. Leonie, ihre Mutter, kümmert sich kaum um sie. Sie nimmt Drogen und arbeitet in einer Bar. Wenn sie high ist, wird Leonie von Visionen ihres toten Bruders heimgesucht, die sie quälen, aber auch trösten. Mam ist unheilbar an Krebs erkrankt, und der stille und verlässliche Pop versucht, den Haushalt aufrecht zu erhalten und Jojo beizubringen, wie man erwachsen wird. Als der weiße Vater von Leonies Kindern aus dem Gefängnis entlassen wird, packt sie ihre Kinder und eine Freundin ins Auto und fährt zur »Parchman Farm«, dem staatlichen Zuchthaus, um ihn abzuholen. Eine Reise voller Gefahr und Hoffnung.


Fazit:

Ich stelle mir gern vor, dass ich weiß, was der Tod ist. Ich stelle mir gerne vor, dass er etwas ist, dem ich ins Auge blicken kann.

Der Schreibstil der Autorin wirkt auf mich direkt am Anfang kraftvoll, jedoch auch etwas distanziert und nüchtern. Doch trotzdem kann sie wirkungsvolle Bilder bei mir erzeugen, mit denen sie die Situationen aussagekräftig untermalt. Ebenso habe ich mich sehr darüber gefreut, dass Jesmyn es schafft, die ganze tragischen Geschichte von 3. Generationen auf 300 Seiten mitfühlend zu verpacken. Andere Autoren brauchen dafür knapp 600 Seiten, da sie sehr detailreich schreiben.

Die Figuren bringen dabei alles mit, was man für eine tragischen Geschichte braucht. Tattoos, Gefängnisaufenthalte, Drogen, Krebsdiagnostik und Geschwisterliebe. Allerdings hat mich der Opa, der Pop genannt wird, mit seinem Namen, Pop, ziemlich genervt. Auf den ersten Seiten ließt man fast 1000 den Namen Pop. In meinen Augen hätte hier ein anderer Figurenname den Lesefluss weniger beeinflusst. Aber das ist nur nebensächlich.

Jesmyn Ward schafft es eine Welt, die der Wirklichkeit gut entspringen kann, eindringlich darzustellen und die alltäglichen Problemen mit Hass und Rassismus zu verdeutlichen. Dabei bezieht sich der Rassismus nicht nur auf die Öffentlichkeit, sondern auch auf den privaten, familiären Bereich. Ebenso werden durch den Perspektivwehsel auch unterschiedliche Facetten und Emotionen beleuchtet!

Aber auch das Familiendrama und Drogenkonsum werden authentisch beschrieben und haben meine Gefühlswelt ziemlich durchwühlt. Wer also ein sanftes Gemüt hat, der wird von Jesmyn Ward ziemlich durch- und wachgerüttelt. Auch wenn ich normalerweise viele der großen Probleme verdränge, um daran nicht kaputt zu gehen, wird man damit hier deutlich konfrontiert.

Wer sich also für Politik interessiert und eine nachdenkliche Geschichte präsentiert bekommen möchte, der ist bei dem Roman „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten“ richtig aufgehoben. Nachdem ich das Buch zur Seite gelegt habe, musste ich auch danach noch über die Story nachdenken!


Kommentar:

439.jpgJesmyn Ward, geb. 1977, wuchs in DeLisle, Mississippi, auf. Nach einem Literaturstudium in Michigan war sie Stipendiatin in Stanford und Writer in Residence an der University of Mississippi. Sie lehrt derzeit Englische Literatur an der Tulane University in New Orleans. Ihr erster Roman Vor dem Sturm wurde mit dem National Book Award ausgezeichnet.

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