Rezension: Ich träumte von Elefanten

51--6EUSLyL._SX319_BO1,204,203,200_Verlag: Kunstmann
Autor: Ivica Djikic
Titel: Ich träumte von Elefanten
Seiten: 237

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Inhalt:

Andrija Sucic wurde vor seinem Haus ermordet. Der ehemalige Elitesoldat und Bodyguard des kroatischen Präsidenten redete einfach zuviel: Massengräber, Morde an Zivilisten, ethnische Säuberungen – und diese seltsame Geschichte mit den Elefanten. Sucic hatte offensichtlich den Verstand verloren. Dennoch: Seine Geschichten hätten den Mächtigen im neu gegründeten Staat gefährlich werden können. Aber seine Ermordung scheint niemanden zu interessieren, außer seinen Sohn Bosko, der im nationalen Sicherheitsdienst arbeitet und beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen ihn tief in den Sumpf aus Krieg und Kriminalität, in dem der neue Staat geformt wurde, in Hinterzimmer, in denen sich Staatsanwälte, Generäle und Politiker mit Mafiosi treffen, die aus den »drei Straßen in Frankfurt, in denen nicht deutsch gesprochen wird« in das Vaterland heimkehrten.


Fazit:

In den Nachrichten erfuhr ich vom Tod meines heimlich Vaters. Ich war gerade aufgewacht, als das Abendjournal begann.

Schon ab dem ersten Satz ensteht eine gewisse Grundspannung, die einen das Buch weiter entdecken lassen möchte. Jedoch wird auch relativ schnell klar, dass es keine 0815 Geschichte ist. Die Ereignisse werden relativ nüchtern und emotionslos, sowie teilweise sehr sprunghaft erzählt. Daher raubt das Buch einem schon etwas die Konzentration. Auch die vielen abwechslungsreichen Handlungsstränge und die kroatischen Namen machen das Lesen nicht gerade leichter. Allerdings kann man durch die angenehme Kapitellänge jeder Zeit eine kurze Pause einlegen.

Beißt man sich allerdings durch die Geschichte durch, erfährt man skurrile Situationen mit dem kroatischen Untergrund, mit Soldaten und Führungspersönlichkeiten, die nicht gerade einfach und ehrlich durch die Welt gegangen sind und Schwierigkeiten mit der Nachkriegszeit überwinden müssen. Vor allem die verstörenden Träume von den Elefanten Sony und Lanka, die mit Ledergurten und Holzplanken ausgepeitscht werden, verstören mich immer noch. Legt man das Buch zur Seite, dann merkt man sofort, dass das Buch eine Wucht ist. Eine sehr traurige und ehrliche Geschichte über die Vergangenheit von Kroatien.

Für diejenigen, die sich für Geschichte interessieren und sich auch gerne mit Politik auseinandersetzen ist „Ich träumte von Elefanten“ auf jeden Fall ein muss. Es zeigt Verflechtungen des Verbrechens auf und beschäftigt sich mit Machtdemonstrationen. Und außerdem, wer kann bei dem anziehenden Cover schon auf die Geschichte verzichten? 😉


Kommentar:

457.jpgIvica Djikic wurde 1977 im bosnischen Duvno / Tomislavgrad geboren und arbeitet als Journalist und Redakteur für kroatische Wochen- und Tageszeitungen. Sein Debütroman „Circus Columbia“ (2003) wurde in mehrere Sprachen übersetzt und 2010 verfilmt. Er ist Autor von politischen Biografien über Stipe Mesic und Ante Gotovina. „Ich träumte von Elefanten“ ist sein zweiter Roman. Djikic lebt in Zagreb und Rijeka.

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