Rezension: Sternenfutter

9783946413950Verlag: Mainbook
Autor: Frank Schuster
Titel: Sternenfutter
Seiten: 191

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Inhalt:

Was wäre, wenn der Mensch nicht mehr am Ende der Nahrungskette stünde?

Die Erde in naher Zukunft. Jara wird mit anderen Menschen in einer Mast- und Zuchtstation gehalten. Sie werden überwacht und sollen für Nachwuchs sorgen. Die Phagen, eine dem Mensch überlegene Spezies, hat die Erde erobert. Ihr Heimatplanet wurde von einer Pandemie heimgesucht, sodass es dort nichts mehr zu essen gibt. Nun halten sie die Menschen wie einst die Menschen die Tiere. Plötzlich taucht ein Fremder in der Station auf. Er versucht Jara dafür zu gewinnen, nach draußen zu den Wildmenschen, einer Gruppe von Verschwörern, zu gelangen. Ihre Mission: die Erde von den Phagen zu befreien. Für Jara beginnt ein gefährliches Abenteuer …

Im Stile von Dystopien wie „1984“ oder „The Handmaid’s Tale“ greift „Sternenfutter“ die aktuelle Diskussion um Massentierhaltung und vegetarische Ernährung auf und entwirft eine Welt, in der Menschen zu Nahrungsmitteln geworden sind – ein beklemmendes, jedoch keineswegs auswegloses Szenario.


Fazit:

Der Mann war Jara schon seit längerem aufgefallen. Mit kaum wahrnehmbaren Zeichen – einem kurzen Blickkontakt, einem Augenzwinkern, einer zaghaften Handbewegung – hatte er sich allmählich auf sich aufmerksam gemacht.

In kurzen Leseabschnitten berichtet Frank Schuster völlig schnörkellos und ohne große Ausschweifungen über eine Welt, in der wir Menschen (Hominiden)  nur noch als Nahrungsmittel für die Phagen dienen. Dabei werden wir genau so gehalten, wie wir es mit unseren Nutztieren handhaben.

Ich finde die Idee nicht schlecht, denn so wird es einem doch etwas bewusster, wie rücksichtslos wir mit Tieren umgehen. Allerdings hätte ich mich über eine konstruiertere  Handlung mit einer Nebengeschichte und einer Entwicklung der Charaktere mehr gefreut. So ist es mir schwer gefallen eine persönliche Bindung zu dem Buch aufzubauen und mich tiefer mit dem Geschehen zu beschäftigen.

Doch trotzdem gelingt es Frank Schuster durch seinen nüchternen und unkomplizierten Schreibstil, die Probleme der Massentierhaltung zu verdeutlichen. Welche Tiere werden zur Zucht bevorzugt und welche Methoden werden angewandt, damit das Fleisch besonders zart wird? All das wird aus der Sicht der Menschen erzählt und lässt einen kurz zusammen zucken.

Als es dann um die Flucht von Jara aus der Zuchtstation geht, habe ich mich kurz über etwas Spannung gefreut. Doch leider ist sie ausgeblieben. Kurz und ohne große Probleme gelingt ihm die Flucht zu den „Wildmenschen“. Und auch die besondere Position in der neuen Gruppe und die Bekämpfung der Phagen konnte mich nicht sonderlich packen.

Dagegen ist das Ende von „Sternenfutter“ mir besonders deutlich im Gedächtnis geblieben.

Der Kanarienvogel beugt sich nach vorne und dreht den Kopf. Nach links, nach rechts. Als er merkt, dass keine Gitterstäbe mehr um ihn herum sind, bereitet er zaghaft die Flügel aus und flattert los. „Vogel fliegt“, sagt Leta.
Jara blickt ihm stumm hinterher.

Als ich dann das Buch zur Seite gelegt habe, musste ich über meine persönliche Freiheit nachdenken und mir wurde bewusst, dass wir Menschen uns glücklich schätzen können und wir bewusster leben sollten.


Kommentar:

cache_68192972.jpgFrank Schuster, Jahrgang 1969, lebt als Journalist und freier Autor in Darmstadt. Er ist Redakteur des ÖKO-TEST-Magazins und ehemaliger Redakteur der FRANKFURTER RUNDSCHAU. Veröffentlichungen: „Das Haus hinter dem Spiegel“, Jugendroman (2014, mainbook, Frankfurt/M.), „If 6 Was 9“, Roman (2003, Grübeltäter Verlag, Oldenburg), Kurzgeschichten u.a. in der Literaturzeitschrift „Am Erker“ sowie in der Anthologie „Fotosynthesen“ (Pahino, Frankfurt/M., 2006) mit u.a. Feridun Zaimoglu und Dietmar Dath

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