Wissen: Literaturepoche – Aufklärung

Das Zeitalter der Aufklärung dauerte etwa von 1720 bis 1785; es folgte auf das Barock und endete parallel mit der Klassik. Die Aufklärung ist vor allem eine geistige Bewegung, die von Westeuropa – speziell Frankreich – ausgehend ganz Europa ergriff.

Die Epoche der Aufklärung

„Aufklärung“ ist zunächst nihts anderes als „Rationalismus“ (lat. ratio: Vernunft): Was vor der kritischen Vernunft standhält, ist geeignet, Wissenschaft und Gesellschaft, Staat und Kirche auf ein neues Fundament zu stellen. Maßgeblich sind dabei nicht mehr alte Autoritäten, Traditionen und ständische Ordnung. Hintergrund dieser optimistischen Weltsicht sind die Entdeckung der Naturgesetze ab dem 16. Jahrhundert und die daraus resultierenden Erfindungen.

Die Aufklärung in Deutschland und Frankreich

Die Franzosen erhoben als erste den Rationalismus zum bestimmenden philosophischen System der Zeit. Führende Denker waren Rene Descartes (1596 – 1650), Charles des Montesquieu (1689 – 1755), Voltaire (1694 – 1778, Jean-Baptiste D’Alembert (1713 – 1784), Denis Diderot (1717 – 1783). Aufgeklärte Denker in Deutschland wie der Philosoph Immanuel Kant griffen die aus England und Frankreich kommenden Ideen von Vernunft, Toleranz und Weltbürgertum auf. Kants Definition von Aufklärung lautet: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.“

Die Aufklärung als Literaturepoche

Schriftstellert gestalteten die aufklärerischen Ideen ihren Romanen und Drame und machten sie auf anschauliche Weise einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Johann Christoph Gottscherd prägte die erste Phase der Literatur der Aufklärung (1720 – 1750). Er veröffentlichte die „Critische Dichtkunst vor die Deutschen“, die führende Poetik der Zeit, und bemühte sich um die Reform des Dramas und des Theaters.
Die zweite Phase (1750 – 1785) stand im Zeichen Gotthold Ephraim Lessings. Er schrieb mit „Miss Sara Sampson“ das erste bedeutende bürgerliche Trauerspiel. Bisher waren die Tragödien den oberen Gesellschaftsschichten vorbehalten gewesen. In seiner Theorie des Theatersw, der „Hamburgischen Dramatugie“, formulierte er seine Vorstellung von Kunst und setzte sich kritisch mit Gottsched auseinander. Die Forderungen der Aufklärung nach Toleranz gestaltete Lessing besonders in seinem Schauspiel „Nathan der Weise“. Hierin werden Positionen der großen Religionen Christentum, Islam und Judentum zusammengeführt.
Lessing und Christian Fürchtegott Gellert sind auch als Verfasser von belehrenden Fabel hervorgetreten. Fabeln hielt man für besonders gut geeignet, die Gedanken der Aufklärung an einfachere Bevölkerungsschichten zu vermitteln.

Die Aufklärung als bürgerliche Bewegung

Vor allem Bürgerliche standen den aufklärischen Gedanken positiv gegenüber – auch deshalb, weil sie ihren eine freiere Lebensgestaltung in Abkehr von Kirche und absolutistischen Ständestaat ermöglichten. Dichter und Philosophen der Aufklärung stammten selbst meist aus dem Bürgertum, dem eine Teilnahme am politischen Gestaltungsprozess weitgehend versagt blieb. Dies erklärt, dass sie sich für die Aufwerung des eigenen Standes mithilfe der Literatur einsetzen. Dazu grenzten sie die „bürgerliche“ Literatur von der bisher dominierende höfischen durch die Kategorien „Moral“ und „Tugend“ ab. Die aufklärerische „Moral“ sollte das religiöse Wertesystem ersetzen, das man für nicht mehr zeitgemäß hielt. „Tugend“ war vor allem erstrebenswert, weil sich dadurch die Bürger im frühen 18. Jahrhundert von den Adligen , die man der Untugend und Morallosigkeit bezichtigte, abgrenzen konnten.

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