Rezension: Das Hungerjahr

Hintergrund:

Ich wollte wieder einen neuen Verlag ausprobieren und habe mich dementsprechend im Internet etwas umgeguckt. Ich muss sagen, dass ich etwas fasziniert war, wie viele Verlage es doch tatsächlich gibt. Auf der Homepage des Transit-Verlages bin ich etwas länger geblieben, da mich dieser schlichte orange Schriftzug irgendwie angezogen hat.

Schon die ersten Bücher sprangen aus den gewohnten Schubladen heraus: ein Buch über die damals verpönte S-Bahn, garniert mit schönen Fotos vom Verfall und unterlegt mit einem irritierenden Text von Uwe Johnson.

Unabhängig von meinem normalen Leseverhalten habe ich Ausschau nach einem ungewöhnlichen Buch gehalten. Gesucht, gefunden, „Das Hungerjahr„.

Inhalt:

website_cover_Hungerjahr-e1474791906350.jpgEs ist die große Hungerzeit. Zwei Jahre Missernte, extreme Kälte, extrem kurzer Sommer. Zehntausende sind auf der Flucht nach Süden, wo sie auf Hilfe hoffen. Man nennt sie dort: Vagabunden, Bettler, Fremde. Not macht Menschen nicht besser.

Mirja, eine junge Bäuerin, verlässt ihren kleinen Hof im Norden Finnlands und macht sich mit den beiden Kindern auf eine lange Wanderung durch Kälte, Eis und Schnee. Ihr Ziel, das sie trotz aller Warnungen, mit viel Energie und Mut unbedingt erreichen will, ist St. Petersburg, das Zentrum des Zarenreichs, zu dem Finnland damals, 1867, gehört. Sie hofft, dort einen Platz zu finden, wo sie mit ihren Kindern leben kann. Dort, meint sie, gibt es Brot für alle.

Fazit:

Die Ruderdollen schreien wie ein Vogel. Im Boot liegen drei magere Hechte. Sie sehen mehr nach Schlangen als nach Fischen aus.

Zunächst musste ich etwas nachschlagen. Was sind Ruderdollen? Es sind die Ablagepunkte für die Ruder am Boot! Und schon hier war mir klar, es wird keine leichte Lektüre! Es ist ein ein kurzes, schmerzhaftes und vom Leid gezeichnetes Buch, das seine Würze echt in der Kürze hat!

Das Buch zeigt das Schicksal einer Familie, die erst den Vater sterbend zurück lässt, die Tochter verliert und die Mutter mit dem kleinen Sohn alleine und zu Fuß nach St. Petersburg flieht. Dabei werden die Ereignisse so genau formuliert, dass man glaubt, mitten in der Geschichte zu sein!

Bei dieser Story ist es mir echt schwer gefallen nicht mitzufühlen. Und vor allem hat es mich sehr aufgeregt, dass die Reichen aus der Stadt nichts dagegen tun! Ich wusste nicht, dass ein Buch einen so derartig aufwühlen kann. Absolut toll!

Ein kleiner Schatz, den ich mir definitiv aufbewahren werde!

Kommentar:

Aki Ollikainen, 1973 geboren, lebt als Journalist in Nordfinnland. Sein erster Roman fand eine breite Resonanz bei finnischen Lesern (Auflage inzwischen über 10.000 Ex.) und in der Presse.

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