Interviews: Buchautor Interview – Roman Achmatow Teil 1

Hintergrund:

Vor kurzem habe ich das Buch „Prager Fragmente“ von Roman Achmatow rezensiert. Da mir die Zusammenarbeit und seine Geschichten sehr gefallen haben und ich selber auch als Autor tätig sein möchte, habe ich ihn gefragt, ob er nicht Lust auf ein kurzes Interview hat. Insgesamt habe ich Roman 15 Fragen gestellt und er hat seinen Gedanken freien lauf gelassen. Da es am Ende doch sehr ausführlich geworden ist, haben wir uns entschieden daraus zwei Teile zu machen. Heute präsentiere ich euch den ersten Teil!Viel Spaß!

Buchcover_Prager_Fragmente

  1. Stelle dich in wenigen Worten kurz vor

Jungautor und Überlebenskünstler mit beklemmend großer Faszination für das geschriebene Wort, Fotografie, politisches Kabarett, das Internet (alles außer irgendwelche Spaßkampagnen der FDP), spannende Menschen, kluge Gedanken, Rap sowie die meisten Arten von Unruhestiftern oder Störenfrieden. Waren das wenige Worte? Für meine Verhältnisse schon.

  1. Wie bist du auf die Idee gekommen ein Buch zu schreiben?

Die Prager Fragmente sind in gewisser Weise beides: Sowohl Prozess, der keinen eindeutig festgelegten Startzeitpunkt besitzt, als auch Impuls, der mir ab einem bestimmtem Moment zu verstehen gab: Alles klar, das hier sollte dein Debüt werden. Zunächst wollte ich nur unverbindlich über mein Auslandssemester schreiben und ein bisschen bloggen. Irgendwie ist dabei allerdings ein Text nach dem anderen entstanden. Der Auslöser für den Impuls daraus letztendlich ein Buch zu machen war tatsächlich relativ banal: Ich hatte die Rohfassungen einzelner Kapitel bereits auf meinem Blog veröffentlicht. Die Website kostet mich etwa 50 Euro pro Jahr und da derzeit nicht abzusehen ist, ob das Ding bis zu meinem letzten Tage am Stecker bleibt oder ob Thomas de Maizière mich nicht irgendwann spontan als kriminelle Vereinigung einstuft und sperren lässt, wollte ich die einzelnen Fragmente in einem Dokument sichern. Dazu gesellten sich dann noch einige bis dahin unveröffentlichte Texte sowie passende Fotografien und kurzerhand hatte ich knapp 100 Seiten mit einem beunruhigend stimmigen roten Faden beisammen. Von da an hat sich das Projekt verselbstständigt.

  1. Hattest du während des Projektes Schreibblockaden? Wie hast du sie überwunden?

Das Konzept der Fragmente hat mir in Bezug auf Schreibblockaden ziemlich in die Karten gespielt: Sämtliche Kurzgeschichten sind als Folge punktueller, sehr intensiver Launen oder Emotionen entstanden. Also auch hier wieder: Impulse. Ich beobachte viel und schätze die Eindrücke und Erlebnisse, die ich tagtäglich aufsauge. Sobald ich mich mit einem bestimmten Thema, einem Gefühl oder einer Idee vollgesaugt habe, kapsle ich mich für ein bis zwei Tage von meiner Außenwelt ab und bringe das, was mich beschäftigt, zu Papier. Am Ende steht dann meist die erste Version eines Textes, die ich dann wieder für ein bis zwei Tage liegen lasse, um sie anschließend ent-emotionalisiert erneut zu überarbeiten. Diese Herangehensweise hat etwas von einem Bildhauer: Erst stelle ich eine grobe, unfertige Masse in den Raum und arbeite danach geduldig die einzelnen Feinheiten heraus. Das funktioniert manchmal relativ unproblematisch. Und manchmal braucht es eben einige Durchläufe bis mich ein Text halbwegs zufrieden stellt. Das Thema Schreibblockade hat mich dabei nie besonders interessiert, da ich genügend Zeit hatte, um nach jedem Kapitel Luft zu holen. Kommt der Flow heute nicht, kommt er eben morgen – bis dahin sammle ich weiter Eindrücke. Diese Freiheit haben sicherlich nicht alle Autoren.

  1. Wie hast du das Buch finanziert?

Mit Hilfe von etwas (Rest-)Erspartem und etwas Geliehenem. Wenn du es als Indie-Autor durchziehst, musst du ständig irgendwelche Entscheidungen treffen, die mit Finanzen zu tun haben: Wo kann ich das Buch drucken lassen? Auf welcher Internetseite verkaufe ich es? Brauche ich eine ISBN-Nummer? Muss ich ein Gewerbe anmelden oder zahle ich lieber höhere Provisionen an irgendwelche Self-Publishing-Plattformen? Wie hoch ist meine erste Auflage? Sollte ich meinen Keller mit den Dingern vollstopfen, in der Erwartung, dass die Leute mir das Buch aus der Hand reißen? Oder bestelle ich zunächst lieber nur 10 Stück für meine Oma und ihre Freundinnen?

Klar, die Fragmente waren jetzt keine abenteuerliche Risikogeldanlage in Höhe eines halben Staatshaushaltes. Für jemanden ohne größeres finanzielles Polster ist so ein Projekt allerdings auch kein Spontankauf. Man muss gegebenenfalls abwägen, ob man nun ein Buch veröffentlichen oder sich doch lieber einen neuen Mittelklasse-Fernseher zulegen möchte. Ich habe das Experiment mit dem Buch gewagt und bereue es nicht.

  1. Wissen deine Freunde von dem Buch? Wie haben sie darauf reagiert?

Kaum vorzustellen, dass irgendjemand aus meinem näheren Umfeld es noch nicht mitbekommen hat. Ich bin bei dem Thema nicht sonderlich zurückhaltend und die gesamte Promo lief über meine Social Media Kanäle. Zunächst habe ich unter dem Titel „Prager Fragmente“ nur eine Postkarten-Kollektion angekündigt und zwei Wochen lang jeden Tag eines der Motive gepostet. Am 05. August kam dann die Überraschung: Übrigens, ich habe auch ein Buch geschrieben. Der Zuspruch war überwältigend. Viel wichtiger jedoch war die Phase vor der Veröffentlichung: Einige Menschen haben mich immer wieder bestärkt. Andere haben mir wertvolles Feedback gegeben oder gar ohne Gegenleistung korrekturgelesen. All das war Gold wert.

Die Zeit nach der Veröffentlichung hat mich ebenfalls überrascht. Einige Freunde haben sich das Buch direkt bestellt. Sogar welche, von denen ich seit Jahren nichts mehr gehört hatte. Vereinzelt auch Leute, die mich nur über Ecken oder aus dem Internet kennen, das Ding aber anschließend total gepusht haben. Gefreut habe ich mich über jeden und jede einzelne. Und je mehr Feedback und Support zurückkommt, desto mehr verschwindet auch der fade Beigeschmack nicht wirklich zu wissen, ob das Buch aus Interesse oder aus Mitleid gekauft wird. Denn wer es gelesen hat, versteht meistens auch, dass ich das Handwerk tatsächlich beherrsche.

  1. In deinem Buch erzählst du Geschichten von deiner Reise…Gibt es abseits des Buches noch weitere Erfahrungen, die dir absolut im Gedächtnis geblieben sind?

Unendlich. Es macht mich verrückt zu wissen, dass sämtliche Niederschriften nur einen winzigen Ausschnitt des gesamten Bildes darstellen können. Von Anfang bis Ende habe ich alle meine Erlebnisse in einem Tagebuch festgehalten. Entsprechend hätte ich noch genügend Stoff für siebzehn weitere Werke. Die Herausforderung bei den Fragmenten lag dementsprechend darin, einen angemessenen Rahmen zu spannen, der von Erlebtem erzählt und zeitgleich ein Gefühl vermittelt, das unabhängig von diesen konkreten Momentaufnahmen weiterlebt. Diese Facette macht das Buch für mich zeitgleich so vollkommen wie unvollkommen. Achja, nun habe ich den eigentlichen Kern deiner Frage vollkommen ignoriert: Eine Anekdote! Ich versuche es kurz zu halten:

Meine finanzielle Situation hatte zu Beginn des Auslandssemesters entschieden, dass ich mich in ein Doppelzimmer im Wohnheim einmieten sollte. Da ich bereits einen Monat vor Semesterbeginn in Prag war, hatte ich das außerordentliche Glück, das Zimmer für genau diesen ersten Monat alleine nutzen zu können. Ein wirklich zufriedenstellender Umstand. Als Anfang Oktober dann doch jemand anreiste, um meine Ablagefläche für Klamotten zu seinem Bett zu machen, tat ich was ich tun musste: Ich nahm meinen neuen Mitbewohner mit zu einem Erasmus-Kennenlernabend. Wie es sich für eine solche Veranstaltung gehört, lernte er dort eine Freundin von mir kennen. Lange Rede, kurzer Sinn: Die beiden verstanden sich blendend und da sie in einer Wohnung lebte, die bei Besuchern keine spontanen Lachkrämpfe verursachte, nächtigten sie fortan regelmäßig dort. Sie hatten sich also gefunden. Ich hatte das Zimmer weitestgehend für mich. Und kann fortan stets behaupten, der entscheidende Faktor im Auslandssemester dieser beider Menschen gewesen zu sein. Eine glückliche Wendung für alle Beteiligten. Und Stand Oktober 2017 hat die Geschichte sogar ein Happy End: Die beiden verstehen sich auch heute noch ziemlich gut.

  1. Planst du ein weiteres Buchprojekt?

Fest steht, dass ich so schnell nicht vom Schreiben lassen werde. Das Konzept der Fragmente ist nicht mit dem Buch gestorben, sondern lässt sich wunderbar auf andere Orte oder Geschehnisse übertragen. Wer die Fragmente mag, wird sich von Zeit zu Zeit an neuen kleinen Stücken auf meinem Blog erfreuen können. Beispielsweise habe ich dort vor kurzer Zeit erst eine Geschichte aus München veröffentlicht. Langfristig wird es mit hoher Wahrscheinlich auch wieder ein Buch geben. Thematisch wird es jedoch in eine andere Richtung gehen, weil ich gerne noch etwas politischer schreiben möchte. Da die Arbeit am nächsten Projekt allerdings noch nicht begonnen hat, gibt es dementsprechend auch keine sonderlich interessanten Informationen dazu. Kommt Zeit, kommt Update.

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