Gastrezension: The Refrigerator Monologues

Hintergrund:

Heute freue mich über die Gastrezension von Janine und ihren Blog „Poesielos„. Vor einem Jahr habe ich auch noch im Norden von Deutschland, ganz in der Nähe von Janine gewohnt. Schade das wir uns nicht früher über den Weg gelaufen sind. Die Zusammenarbeit mit dir hat mir sehr viel Freude bereitet. Alles lief reibungslos, überaus pünktlich und herzlich.

Also wenn das kein Besuch Wert ist Leute, dann weiß ich auch nicht!

Peosielos-Blog

Gastrezension:

Seit ich 2013 mein erstes Buch von Catherynne M. Valente gelesen habe, hat sich die Autorin nach und nach zu meiner liebsten Wortschmiedin entwickelt. Valente steht für außergewöhnliche Geschichten in den verschiedensten Genres -teilweise sind es auch eher Genremischungen oder ganz eigene Genrekreationen wie bei Radiance und eine ganz eigene Sprache. Es lässt sich schwer der Finger drauflegen, aber man erkennt sie wirklich immer in ihren Texten wieder. Dieses Jahr erscheinen direkt zwei Bücher von ihr: The Glass Town Game sowie The Refrigerator Monologues. Während ersteres noch bis September auf sich warten lässt, ist letzteres im Juni erschienen – und ich konnte kaum abwarten es zu lesen!

refrigerator-monologues.jpg “I belong in the refrigerator. Because the truth is, I’m just food for a superhero. He’ll eat up my death and get the energy he needs to become a legend.” – S. 144

Monologe in Deadtown

Früher oder später landet jeder in der Welt von The Refrigerator Monologues in Deadtown – Frauen nur tatsächlich etwas häufiger. Deadtown, das ist der Limbus, in dem die Toten in dieser Geschichte die Ewigkeit verleben, eine wortwörtliche Totenstadt. Eine Gruppe Frauen, der Hell Hath Club, trifft sich hier regelmäßig in einem Café: Nacheinander erzählen sie sich ihre Hintergrundgeschichten und wie sie überhaupt in Deadtown gelandet sind. Das verbindende Element dabei? Sie alle haben eine Verbindung zu Superhelden bzw. Superkräften.

Ist das Universum der Superhelden und ihrer Erzfeinde in unserer Welt bevölkert von Batman, Iron Man, Superman und Co, so findet man in diesem Buch Analogien zu ihnen, aber keine direkten Kopien. Und genauso sieht es mit den weiblichen Charakteren aus. Man erkennt die Inspirationen auf jeden Fall wieder und kann einen frischen Blick auf sie werfen. Zusätzlich zu den Analogien bedient sich Valente auch der klassischen Tropen aus dem Comicgenre.

Frauen und Kühlschränke

Tropen -teilweise auch synonym mit TV Tropes benutzt, der Website, die seit 2003 Tropen jeglicher Art in einem Wiki sammelt-, das ist der Sammelbegriff für wiederkehrende Erzählmuster/-elemente, Archetypen, Hilfsmittel, etc., in Medien. Mittlerweile haben sie einen festen Platz in der Popkultur gefunden und sind aus dieser kaum noch wegzudenken. The Refrigerator Monologues liegt direkt im Titel als auch im Inhalt genau einer solchen zugrunde: „Women in Refrigerators“.

„…it occurred to me that it’s not that healthy to be a female character in comics. […] These are superheroines who have been either depowered, raped, or cut up and stuck in the refrigerator. “ – Gail Simone

Diese Trope wurde von der Comicautorin Gail Simone 1999 geprägt und ist gleichzeitig auch der Titel der Website Women in Refrigerators, auf der sie die Charakterliste und Reaktionen hierauf veröffentlicht hat. Die Frauen, denen Valente in ihrem Roman eine Stimme gibt, sind genau solche Frauen in Kühlschränken. Sie sind nur Nebencharaktere in den Geschichten der männlichen Kollegen, deren Tod meist nur als Motivation für diese dienen. Valente dreht diese Rollen um und macht die Frauen in ihren Monologen zur Hauptperson.

Der Tod steht ihnen (nicht) gut

Auf eine gewisse Art ist The Refrigerator Monologues ein wütendes Buch. Denn natürlich ist keine der Frauen des Hell Hath Clubs glücklich über ihre Rolle und auch wenn sich gerade die Superheldenlandschaft etwas wandelt (der Einzelfilm für Wonder Woman oder die Supergirl Serie nur mal als Beispiel): Bei vielen der alten Tropen ist eine Hinterfragung und Überarbeitung durchaus angebracht.

Ich empfand es als sehr angenehm, dass Valente es dem Leser offen lässt, wie der Text verstanden wird. Die Geschichten der sechs Frauen, die durch die Rahmenhandlung im Café verbunden sind, funktionieren auch ohne Vorwissen und können für sich stehen. Oder man beschäftigt sich intensiver mit den Analogien und entdeckt neue Facetten an bekannten Charakteren wie Harley Quinn, Jean Grey oder Gwen Stacy. Es ist dabei von Anfang an immer klar, dass die Geschichten mit dem Tod der Frauen endet – aber nur, weil es so endet, bedeutet ja nicht, dass der Weg dorthin nicht von Bedeutung wäre.


BUCHDETAILS

Verlag: Saga Press
Illustrationen: Annie Wu
ISBN: 9781481459341
Erscheinungsdatum: 06.06.2017
Bewertung: 5/5

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