Gastrezension: Die Herrschaft der Masken

Nachdem mich Elias von Captain Books darauf angesprochen hatte, ob ich nicht Lust auf eine Zusammenarbeit hätte, freue ich mich euch die Früchte unserer ersten Kooperation präsentieren zu dürfen: meine erste Gastrezension. Als Tribut an Elias – Quatsch: Es war reiner Zufall – habe ich ein Buch gewählt, dessen Protagonist Elias Namensvetter ist. Noch mal danke an Captain Books für das Interesse und viel Spaß beim Lesen.

Zur Sache:

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Rund um Laias Welt klafft ein Abgrund. Um ihren Bruder vor dem sicheren Tod zu retten, schleicht Laia sich als Sklavin getarnt in die gefürchtete Militärakademie von Schwarzkliff ein. Dort soll sie für den Widerstand die sadistische Kommandantin der Akademie ausspionieren, um im Gegenzug die Hilfe des Widerstands bei der Rettung ihres Bruders zu sichern, der in die Hände des Imperiums gefallen ist. Doch, anders als ihr Bruder, der Teil der Rebellen war, ist Laia vollkommen unerfahren. Als sie dann auch noch die Aufmerksamkeit von Elias, ein Elitekämpfer und Mitglied der Masken auf sich zieht, scheint Laias Lage aussichtsloser denn je. Denn jeder weiß, dass die stolzen und erbarmungslosen Masken – die Gewalt des Imperiums – zu keinem Mitgefühl fähig sind. Elias ist ihr Todfeind und doch ist Laias Schicksal unumstößlich mit seinem verknüpft.

Rezension:

„Elias & Laia: Die Herrschaft der Masken“ ist der Auftakt zu Sabaa Tahirs historischer Fantasyserie. Die Serie markiert Tahirs ersten Versuch, sich selbst als Romanautorin zu behaupten. Sabaa Tahir, die zuvor als Redakteurin für die Washington Post arbeitete, beschäftigte sich vor dem Schreiben ihres Romans ausgiebig mit dem Nahen Osten und den dortigen verrohenden Zuständen. Davon merkt man in Elias & Laia auf den ersten Blick nichts. Denn die Welt, die Tahir in ihrem Erstlingswerk entwirft, ist ganz offensichtlich dem römischen Imperium nachempfunden. Viele Strukturen und Titel sind der Römerzeit entlehnt und auch die Expansionspolitik der Römer findet sich in „Elias & Laia“ in abgeänderter Form wieder. Doch die soziale Verrohung und der Gewaltaspekt, die Tahir zu „Elias & Laia“ inspirierte, werden von ihr sehr wohl verarbeitet. Denn anstatt die Macht und Größe „Roms“ zu verherrlichen und zu bewundern, rückt Tahir die Rolle des Imperiums als militaristische, grausame Unterdrückermacht in den Vordergrund, die Völker brutalisiert, nur um ihre eigenen Weltherrschaftsansprüche zu verwirklichen. Zusätzlich bestückt sie das Imperium mit einer Doktrin, die stark an die Ideologien der Nationalsozialisten erinnern – mal wieder. (Wenn es um den Entwurf des strukturierten, ultimativen Bösen geht, scheint den Autoren von heute einfach kein anderes Vorbild einzufallen.) Der Perspektivenwechsel wird insbesondere durch die beiden Protagonisten hervorgehoben. Während Laia zu denen gehört, die durch die Gewalt des Imperiums alles verloren hat, gehört Elias einer mächtigen Militärfamilie an. Elias selbst ist kein schlechter Mensch, sondern das Resultat fortwährender Indoktrinierung. Solange er denken kann, sind ihm die Überzeugung von der Überlegenheit des Imperiums und die Tugenden kalter, kalkulierter und erbarmungsloser Waffengewalt eingebläut worden. Als Topschüler der Akademie und Maske steht Elias an der Spitze der Nahrungskette und sein Status als „Übermensch“ wird von niemandem infrage gestellt. Doch Elias besitzt ein starkes Rückgrat und beginnt die Doktrin anzuzweifeln, die ihn nicht nur unter Druck setzt, sondern auch versuchet, ihm seine Individualität und Persönlichkeit zu nehmen. Denn eine Maske zu tragen, die sich langsam aber sich mit der Haut verwächst, bis sie nicht mehr abzulösen ist, bedeutet den Verlust der Individualität – eine starke und gelungene Metapher. Trotzdem braucht Elias fast das gesamte Buch, um aus seinem Korsett herauszubrechen, denn es bedeutet für Elias, sein gesamtes Weltbild und Selbstverständnis abzulegen und infrage stellen zu müssen. Aber auch Laia lernt durch ihren Kontakt mit Elias einiges hinzu. So findet die ängstliche und verstörte Laia im Laufe des Buches immer mehr ihre eigene Stärke und ihren eigenen Mut und entwickelt sich von einer defensiven, reaktionär agierenden Person in jemanden, der sein Schicksal selbst in die Hand nimmt. Auch wird Laia durch Elias– ebenso wie Elias durch Laia – dazu gezwungen, ihr Weltbild zu überdenken. So muss sie einsehen, dass ihr schwarz-weiß gezeichnetes Weltbild die Dynamik zwischen den Mächten zu sehr vereinfacht. Auch ihr Hass auf das Imperium – wenn auch verständlich – lässt sich nicht auf einzelne Individuen übertragen, wie sie durch Elias lernt. Innerhalb des Romans lernt man aber nicht nur Elias und Laia kennen, sondern auch viele ebenso interessante Nebencharaktere. Das ist insbesondere deswegen wichtig, da Elias und Laia über weite Strecken keine direkten Berührungspunkte haben. Stattdessen sind die Kapitel abwechselnd aus Laias oder Elias Perspektive geschrieben und man erhält einen guten Einblick in ihr jeweiliges Leben und ihre Beziehung zu anderen Figuren. Beispielsweise ist Elias Angebetete in diesem Band nicht Laia, sondern eine seiner besten Freunde Helene, deren Entwicklung sich im Verlauf der Geschichte wie ein Alternativentwurf zu Elias eigenen Entscheidungen liest. Dies gilt auch für Elias Gegenspieler, der sich immer mehr zum Antagonisten entwickelt. Damit kommen wir auch zum bisher einzigen Schwachpunkt der Serie: die Antagonisten. Bisher gibt es insgesamt zwei. Einmal ist da Elias Rivale und zum anderen die Kommandantin, gegen die sich besonders Laia behaupten muss. Beide Bösewichte sind grausam, sadistisch und ziemlich eindimensional in ihrer unmenschlichen Boshaftigkeit, die zur grundlegenden Charaktereigenschaft zu gehören scheint und somit weitgehend unmotiviert bleibt. Immerhin ist die Kommandantin perfide und klug, was sie zumindest zu einer würdigen und interessanten Gegnerin macht.

Insgesamt ist „Elias & Laia: Die Herrschaft der Masken“ keines der Bücher, das sich von einer eventreichen Szene in die nächste stürzt. Stattdessen nimmt sich der Roman Zeit für die Entwicklung seiner Charaktere und liest sich eher wie ein Auftakt, nachdem die Handlung so richtig ins Rollen kommt. Das gilt auch für die Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten, die sich zwar erahnen lässt, sich im ersten Band aber noch nicht entwickelt. Vielmehr scheint sich der Roman mit der Frage zu beschäftigen: Wie überlebt man in einem Gewaltregime, ohne sich selbst zu verlieren? Als ein in sich abgeschlossenes Werk kann man den Roman demnach nicht beschreiben, und obwohl ich es ansonsten vorziehe, wenn die Bände einer Serie einen Bogen spannen, der wenigstens innerhalb des Gesamtrahmes abgeschlossen ist, macht das Buch mit einem guten Cliffhanger definitiv Lust auf den nächsten Band.

Urteil: Ein vielversprechender Auftakt aber keine abgeschlossene Geschichte. Ein finales Urteil ist bis auf Weiteres aufgeschoben.

Kommentar:

Vielen Dank Katrin, dass du dich mit deinem Blog Tintentaucher dazu entschieden hast bei dieser Aktion mit zu machen. Ich danke dir für deine überaus detaillierte Rezension und hoffe, das sie gut ankommt. Auf eine gute Zusammenarbeit 🙂

Bleibt munter und lasst euch nicht ärgern!

Euer Captain Books

 

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